Mittwoch, 4. Juli 2007
Ich bin in Marburg - am Ende vom Anfang
Mein Kopf ist voll mit Gedanken und Eindrücken. Die letzten Tage waren zwar nicht sehr arbeitsintensiv, aber trotzdem voll. Ich habe viel gesehen, mit sehr vielen geredet und vermutlich noch mehr nachgedacht. Die Gemeinde hat mich schwer beeindruckt. Gestern war ich im Jugendkreis und anschließend nur noch begeistert. Jeder, mit dem ich gesprochen habe, hatte einen gewissen Glanz im Gesicht wenn er über „seinen“ Kreis gesprochen hat. Sie treffen sich nicht nur dort, weil sie sonst nicht wissen, was sie tun sollen, sondern weil ihnen der Kreis und die Gemeinde am Herzen liegen.
Ich glaube nicht, dass am Ortenberg der Himmel die Erde berührt und so manches wird auch da nicht rund laufen, aber mir fällt kein Grund ein, warum ich dort nicht arbeiten möchte, ganz im Gegenteil. Im September gibt es eine endgültige Entscheidung der Gemeinde.
Dann wird es als nächstes vor allem um die Frage gehen, wo wir wohnen werden. Am liebsten würden wir direkt an den Ortenberg ziehen, ein nettes Haus zur Miete. Tabita meine gestern am Telefon: „Am besten ein Haus mit Garten. Auf der einen Seite steht der Kindergarten, auf der anderen die Schule, daneben Tabor und daneben die Gemeinde.“ Okay, wir müssen also am Berg noch ein paar Dinge umbauen, aber ich denke, Gott kann das. Die Frage ist dann auch, ob wir nicht vielleicht doch etwas kaufen. Ich will mich eigentlich nicht finanziell an ein Haus binden, aber andererseits: ob ich Miete zahle oder eine Hypothek kann von der Summe her nicht der große Unterschied sein und falls wir mal wieder weiterziehen, sollte sich ein Mieter finden.
Trotz allem möchte ich aber in dem noch vor uns liegenden Jahr voll und ganz in der Stadtmission sein. Nicht nur körperlich, sondern auch mit dem Kopf und dem Herzen. Noch ist das ganz und gar meine Gemeinde und es sind meine Leute, für die ich da sein will.
Dienstag, 3. Juli 2007
Ich bin in Marbutg, Teil 4
Gestern war ich zum Pizzaessen mit der Gemeindeleitung und einem anschließenden Gespräch verabredet. Danach traf sich dann der Rest der Gemeinde zur Mitgliederstunde. Auch das war richtig gut. Ich habe den Eindruck, dass das hier eine ziemlich fitte Gemeinde ist – nicht spannungsfrei, nicht einfach, aber sie wollen etwas bewegen und gemeinsam erreichen. Das gefällt mir.
Nachher werde ich die Leiter der Jugendarbeit treffen und danach im Jugendkreis selbers ein – wird wahrscheinlich der totale Kontrast zu heute Nachmittag. Morgen geht es dann wieder nach Hause und auch das ist gut. Ich freue mich auf meine Familie. Ich freue mich auf meine Gemeinde.
Montag, 2. Juli 2007
Ich bin in Marburg, Teil 3
Heute Vormittag war ich dann bei Steffi und Frank zum Brunchen. Es war einfach nur nett und schön. Hauptsächlich lg das wohl daran, dass sie unglaublich nett und offen sind und ein wunderschönes Haus haben, so dass auch das Ambiente einfach nur passte. Die beiden freuen sich ganz stark auf uns. Frank hat mir dann noch ein paar Hoffnungen und Erwartungen der Gemeinde mit auf den Weg gegeben, die ich ganz spannend finde.
Heute Abend geht es dann weiter. 18.00 Uhr Treffen mit der Gemeindeleitung und um 20.00 Uhr dann Mitgliederstunde mit allen. Wird bestimmt schön. So, jetzt schau ich mal, wo ich einen Kaffee her kriege.
Sonntag, 1. Juli 2007
Ich bin in Marburg, Teil 2
Das Essen danach war unglaublich entspannend und schön. Ich habe eine ganze Reihe von Leuten getroffen, die schon damals hier Mitglieder waren und ich merkte, dass noch irgendwie eine Beziehung zu ihnen da ist. Schön war es auch, ein paar neue Leute kennen zu lernen und mal ein paar zaghafte Kontakte zu knüpfen. Mir geht’s also gut. Jetzt werde ich gleich mal einen Kaffee trinken und dann etwas durch die Altstadt schlendern. Morgen Früh bin ich bei Steffi und Frank zum Brunchen, abends treffe ich mich dann mit der Gemeindeleitung zum Abendessen (ich esse hier auf jeden Fall nicht zu wenig) und zum Reden. Um 20.00 Uhr kommt dan der Rest der Gemeinde dazu. Freu mich drauf.
Samstag, 30. Juni 2007
Ich bin in Marburg, Teil 1
Zu allem Überfluss habe wir kurz vor der Abfahrt zum Bahnhof Anne und Chistoph getroffen. Anne hat einige Zeit für Chris gearbeitet und die beiden sind vor ein paar Wochen nach Wiesbaden umgezogen, weil Christoph endlich einen festen Arbeitsvertrag bekommen hat. Die beiden haben den Umzug hinter sich und was sagt Christoph: „Dass wir aus Hamburg weg sind, ist mir erst jetzt klar – und wir vermissen die Stadt und die Leute sehr.“ Na super. Genau die Worte, die ich gebraucht habe.
Ich kann die letzten 10 Jahre nicht einfach so vom Tisch wischen und ich will es auch nicht. Wir haben hier gemeinsam sehr viel aufgebaut und auf den Weg gebracht. Freundschaften sind entstanden und Kinder wurden geboren. Aber gut, wir haben schon lange ein Ja zu Marburg gefunden und daran halten wir jetzt fest und gehen weiter.
Zwei Stunden später: Sitze gerade in dem Abschnitt zwischen Kassel und Marburg in einem Abteil. Mit mir zusammen 5 Leute aus der Heide auf den Weg in Schwarzwald. Wir reden über alles Mögliche: Kartoffeln, die Schönheit der Heide, Bier, meine Kinder. Dann fragt jemand, was ich beruflich mache. „Ich bin Pastor.“ Betretendes Schweigen, Stille, Suche nach Worten. Erklärungen, warum sie nicht in die Kirche gehen. Die Stimmung kippt. Ich bin ein Außerirdischer.
So, bin jetzt in Tabor angekommen und sitze im Foyer, wo ich einen Internetanschluss habe. Gerade habe ich mit meinen Schwiegereltern in der Cafeteria gesessen. Sie sind hier gerade zur Taborwoche. Mein Zimmer ist schön und ruhig und es tut gut, hier zu sein. Morgen werde ich dann im Gottesdienst die Predigt halten und anschließend mit den Leuten zusammen sein, grillen, essen, reden.
Donnerstag, 28. Juni 2007
Hamburg – Marburg
Von Samstag bis Mittwoch werde ich in Marburg sein. Hier werden wir dann die entscheidenden Gespräche führen, die meinen Stellenwechsel im nächsten Jahr betreffen. Ich freue mich darauf, die Gemeinde ein wenig mehr kennen zu lernen. Auch wenn wir da selber mal Mitglieder waren, so hat sich doch einiges verändert. Eine ganze Reihe von Menschen sind dazu gekommen, andere sind nicht mehr da.
In den letzten Wochen habe ich mit vielen über unseren Wechsel nach Marburg gesprochen. Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich. Einige können es nur schwer nachvollziehen, dass wir gehen, andere wollen gern mehr wissen, warum wir gehen udn vor allem wohin.
Bein denen, die Marburg-Ortenberg kennen, gab es interessanterweise fast immer nur zwei REaktionen. Die einen sagten: "Wird hart, aber du kannst das schaffen." Die anderen: "Bist du wahnsinnig? Mitten ins Zentrum? Ich möchte niemals so auf dem Präsentierteller arbeiten." Woran liegt das, dass ich das so ganz anders sehe? Ich stelle mir das alles sehr spannend und schön vor. Ich glaube, dass ich dort eine Menge lernen kann und auch eine Menge zu geben habe. Darum würde ich mich riesig freuen, wenn jetzt auch die letzten Türen aufgehen würden.
Ein paar haben mir schon gesagt, dass sie gern wisen würden, wie es mir in Marburg ergeht. Darum melde ich mich noch mal von unterwegs, versprochen.
Montag, 25. Juni 2007
Morgen im Europarat
Gut, letzten Endes ist das nur ein logischer und konsequenter Schritt am Ende des Christentums (Christentum ist die Epoche, in der Kirche und Staat nebeneinander standen und in der es so etwas, wie einen gemeinsame Volksglauben gab). Aber halten wir es trotzdem einmal fest: Nicht nur im christlichen Abendland geht die Sonne unter, sondern auch das große Zeitalter der Toleranz ist offensichtlich zu Ende, falls es das überhaupt gab. Denn ein tolerantes Schulsystem wäre für mich im Blick auf dieses Thema, dass verschiedene Ansätze und Theorien nebeneinander gestellt werden und die Schüler müssten dann die Stärken und Schwächen herausarbeiten. Das wäre nicht nur tolerant, sondern auch spannend. Junge Menschen würden hier lernen, sich auch in dieser Frage eine eigene Meinung zu bilden und sie zu vertreten.
Nachtrag (Dienstag, 26.06.2007): Soeben habe ich gelsen, dass der Europarat das Thema wieder von der Tagesordnung genommen hat. Interessant ist die Reaktion des Antragstellers. Hier erfahrt ihr mehr.
Noemi, Tabita und Elias
Drei Gründe, um Gott dankbar zu sein.