Donnerstag, 12. Juli 2007

Mittwoch, 11. Juli 2007

Und wir sind doch Kirche!

Der Papst ist mutig. Jedenfalls scheint er seinen Job nicht deswegen zu machen, um neue Freunde zu finden. Gestern wurde eine Papier veröffentlicht, in dem die Katholische Kirche u.a. behauptet, die Evangelische Kirche sei gar keine richtige Kirche, da sie ja schließlich nicht den Papst anerkennt. Bisher habe ich immer gedacht, das, was Menschen Kirche sein lässt, hat weniger etwas mit dem Papst, sondern mehr mit Jesus zu tun. In diesem Zusammenhang fällt mir ein Satz von Michael Frost ein. In Exiles schreibt er, dass seine Gemeinde und er nicht mehr davon reden, dass sie in die Kirche gehen, sondern sie machen daraus ein Verb. Sie "churchen", also sie kirchen, leben das, was sie sind, Kirche. Ich lass jetzt mal Luther aus dem Spiel, der hier sicher seine Stimme erheben und uns den Unterschied zwischen Kirche und Gemeinde erklären würde, was aber nur zu Verwirrungen führen würde. Ich glaube nicht an den Papst (auch wenn ich ihn in manchen Punkten durchaus schätze), aber "ich glaube an die eine, christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen…" Benedikt und ich gehören zu einer Kirche, auch wenn ich nicht katholisch bin und auch wenn er das anders sieht.

An dieser Stelle fällt mir der gute alte Witz ein: Ein Mann kommt in den Himmel. Petrus begrüßt ihn. Sie gehen an einigen Räumen vorbei. Auf dem ersten steht: "Baptisten". Petrus öffnet die Tür. Freude, Party, gute Musik wie auf einer Hochzeitsfeier. Sie gehen weiter. Auf der nächsten Tür steht: "Pietisten." Freude, Party, gute Musik wie auf einer Hochzeitsfeier – und in regelmäßigen Abständen wird eine Kollekte eigesammelt. Nach ein paar Schritten kommen sie zur Tür mit der Aufschrift: "Katholiken". Wieder das gleiche Bild: Freude, Party, gute Musik wie auf einer Hochzeitsfeier – und einer leitet durch den Abend. Auf der dritten Tür steht "Evangelikale". Petrus legt seinen Finger an die Lippen und sagt: "Psst, bitte ganz leise sein und nur durchs Schlüsselloch schauen." Der Mann ist verwirrt. "Warum?", fragt er. Petrus: "Die denken immer noch, sie seien hier oben alleine."


 

Samstag, 7. Juli 2007

Heimatabend

Gestern war ich bei Schulze und Vogt zum Heimatabend eingeladen. Jeden ersten Freitag im Monat treffen sich dort zwischen 8 und 15 Leute. Es ist kein Hauskreis aus einer Gemeinde, es ist eine Gemeinde. Sie kommen zusammen, teilen ihr Leben, essen zusammen, reden, beten. Das Ambiente war sehr schön, das Essen toll und der Kaffee klasse. Dann sollte von mir eigentlich eine Predigt kommen, aber ich habe mal die Möglichkeit genutzt, um ein paar von meinen Thesen zum Thema Gemeinschaft vorzustellen. Wir haben dann gut zwei Stunden darüber gesprochen. Wer dann wollte, der konnte in einen anderen Raum gehen, um das Abendmahl zu empfangen oder in noch einen anderen Raum, um zu beten, eine Kerze anzuzünden oder einfach nur in der Stille mit Jesus zusammen zu sein.

Ich lerne an solchen Abenden immer eine ganze Menge dazu, über Gemeinschaft, Glauben teilen und was es heißt, Gemeinde zu sein. Für mich wäre der Heimatabend auf Dauer keine Alternative zu der Gemeindeform, in der ich heute lebe, aber ich glaube, für die Leute da ist es im Augenblick genau richtig und gut.

Mittwoch, 4. Juli 2007

Ich bin in Marburg - am Ende vom Anfang

So, nun sitze ich wieder im Zug. Das ist gar nicht so selbstverständlich, weil Teile der Bahn im Augenblick streiken – zum Ausgleich hat meine Bahn dann auch nur 10 Minuten Verspätung und ich weiß noch nicht, ob ich meinen Anschluss in Kassel kriege, mal sehen.
Mein Kopf ist voll mit Gedanken und Eindrücken. Die letzten Tage waren zwar nicht sehr arbeitsintensiv, aber trotzdem voll. Ich habe viel gesehen, mit sehr vielen geredet und vermutlich noch mehr nachgedacht. Die Gemeinde hat mich schwer beeindruckt. Gestern war ich im Jugendkreis und anschließend nur noch begeistert. Jeder, mit dem ich gesprochen habe, hatte einen gewissen Glanz im Gesicht wenn er über „seinen“ Kreis gesprochen hat. Sie treffen sich nicht nur dort, weil sie sonst nicht wissen, was sie tun sollen, sondern weil ihnen der Kreis und die Gemeinde am Herzen liegen.
Ich glaube nicht, dass am Ortenberg der Himmel die Erde berührt und so manches wird auch da nicht rund laufen, aber mir fällt kein Grund ein, warum ich dort nicht arbeiten möchte, ganz im Gegenteil. Im September gibt es eine endgültige Entscheidung der Gemeinde.
Dann wird es als nächstes vor allem um die Frage gehen, wo wir wohnen werden. Am liebsten würden wir direkt an den Ortenberg ziehen, ein nettes Haus zur Miete. Tabita meine gestern am Telefon: „Am besten ein Haus mit Garten. Auf der einen Seite steht der Kindergarten, auf der anderen die Schule, daneben Tabor und daneben die Gemeinde.“ Okay, wir müssen also am Berg noch ein paar Dinge umbauen, aber ich denke, Gott kann das. Die Frage ist dann auch, ob wir nicht vielleicht doch etwas kaufen. Ich will mich eigentlich nicht finanziell an ein Haus binden, aber andererseits: ob ich Miete zahle oder eine Hypothek kann von der Summe her nicht der große Unterschied sein und falls wir mal wieder weiterziehen, sollte sich ein Mieter finden.

Trotz allem möchte ich aber in dem noch vor uns liegenden Jahr voll und ganz in der Stadtmission sein. Nicht nur körperlich, sondern auch mit dem Kopf und dem Herzen. Noch ist das ganz und gar meine Gemeinde und es sind meine Leute, für die ich da sein will.

Dienstag, 3. Juli 2007

Ich bin in Marbutg, Teil 4

Gerade komme ich vom Seniorennachmittag zurück. Bernd und Birgit haben ihn musikalisch gestaltet mit einer Mischung aus Volksliedern und geistlichen Liedern. Ich gebe offen zu, dass es nicht meine Lieder waren, aber sie haben damit die Herzen der Leute erobert, die da waren. Rund 30 bis 40 Senioren vom Ortenberg und der Gemeinde. Eine tolle Sache.
Gestern war ich zum Pizzaessen mit der Gemeindeleitung und einem anschließenden Gespräch verabredet. Danach traf sich dann der Rest der Gemeinde zur Mitgliederstunde. Auch das war richtig gut. Ich habe den Eindruck, dass das hier eine ziemlich fitte Gemeinde ist – nicht spannungsfrei, nicht einfach, aber sie wollen etwas bewegen und gemeinsam erreichen. Das gefällt mir.
Nachher werde ich die Leiter der Jugendarbeit treffen und danach im Jugendkreis selbers ein – wird wahrscheinlich der totale Kontrast zu heute Nachmittag. Morgen geht es dann wieder nach Hause und auch das ist gut. Ich freue mich auf meine Familie. Ich freue mich auf meine Gemeinde.

Montag, 2. Juli 2007

Ich bin in Marburg, Teil 3

Den Sonntagnachmittag habe ich als Tourist verbracht. Ich bin die Altstadt hochgelaufen mit dem Eis in der Hand und der Leidenschaft im Bauch das Schloss zu erreichen. Das ist mir dann auch gelungen – fragt mich nicht, wo mein Puls war. In Marburg wird zur Zeit das Elisabethjahr gefeiert. Elli ist vor 800 Jahren hier gestorben und begraben worden, was noch nicht so außergewöhnlich ist. Spanned wird es, wenn man einmal sieht, was sie alles getan hat. Mit unglaublicher Ernergie hat sie sich um kranke und arme Menschen gekümmert und obwohl sie nur 24 Jahre geworden ist, hat sie doch so viel bewegt, dass sie es verdient hat, dass wir uns auch 800 Jahre nach ihrem letzten Atemzug nicht aus der Erinnerung streichen. Jedenfalls hab ich mir die Ausstellung im Schloss angeschaut und bin anschließend noch bei dem Bild von Landgraf Phillip vorbeigepilgert (er war Landgraf von Hessen zur Zeit Luthers und hat im Blick auf die Reformation ebenfalls eine Menge bewegt). Natürlich hab ich auch noch den Raum mitgenommen, indem das Marburger Religionsgespräch (ich meine 1527) stattgefunden hat. Dabei ist mir aufgefallen, dass Karin und ich genau in diesem Raum vor 11 Jahren unsere Hochzeitsbilder gemacht haben. Damals wusste ich nicht, dass Martin vor uns da war.

Heute Vormittag war ich dann bei Steffi und Frank zum Brunchen. Es war einfach nur nett und schön. Hauptsächlich lg das wohl daran, dass sie unglaublich nett und offen sind und ein wunderschönes Haus haben, so dass auch das Ambiente einfach nur passte. Die beiden freuen sich ganz stark auf uns. Frank hat mir dann noch ein paar Hoffnungen und Erwartungen der Gemeinde mit auf den Weg gegeben, die ich ganz spannend finde.
Heute Abend geht es dann weiter. 18.00 Uhr Treffen mit der Gemeindeleitung und um 20.00 Uhr dann Mitgliederstunde mit allen. Wird bestimmt schön. So, jetzt schau ich mal, wo ich einen Kaffee her kriege.

Sonntag, 1. Juli 2007

Ich bin in Marburg, Teil 2

Sonntag, 15.00 Uhr. Ich komme gerade vom gemeinsamen Grillen mit der Gemeinde zurück. Davor gab es einen Gottesdienst, in dem ich die Predigt gehalten habe. Da niemand rausgerannt ist und es auch sonst keine Zwischenfälle gab, gehe ich mal davon aus, dass das ganz okay war, was ich von mir gegeben habe. Es waren über 200 (?) Leute da. Für mich war das etwas gewöhnungsbedürftig vor so einer großen Gruppe zu reden, zumal ich sie nicht alle mit einem Blick beim Reden erfassen kann, sondern immer von links nach rechts schauen musste – die Leute auf der Empore habe ich dabei dann mal ausgeklammert, um meinen Kreislauf zu schonen.

Das Essen danach war unglaublich entspannend und schön. Ich habe eine ganze Reihe von Leuten getroffen, die schon damals hier Mitglieder waren und ich merkte, dass noch irgendwie eine Beziehung zu ihnen da ist. Schön war es auch, ein paar neue Leute kennen zu lernen und mal ein paar zaghafte Kontakte zu knüpfen. Mir geht’s also gut. Jetzt werde ich gleich mal einen Kaffee trinken und dann etwas durch die Altstadt schlendern. Morgen Früh bin ich bei Steffi und Frank zum Brunchen, abends treffe ich mich dann mit der Gemeindeleitung zum Abendessen (ich esse hier auf jeden Fall nicht zu wenig) und zum Reden. Um 20.00 Uhr kommt dan der Rest der Gemeinde dazu. Freu mich drauf.

Noemi, Tabita und Elias

Noemi, Tabita und Elias
Drei Gründe, um Gott dankbar zu sein.