Samstag, 5. Mai 2007

Ich war völlig platt

Donnerstagabend haben ich ihn bekommen: den Virus, den im Augenblick alle haben. Beim Abbauen konnte man mir zuschauen. Innerhalb von zwei Stunden lag ich am Boden oder besser: im Bett. Freitag ging gar nichts mehr, außer schlafen. Schade, denn eigentlich wollten wir nachmittags zu Steffens an die Ostsee, baden, grillen und wie immer nett reden. Na ja, das müssen wir dann nachholen. Heute (Samstag) geht es wieder einigermaßen. Ich werde jetzt mal versuchen, eine Predigt zu schreiben. Ich hoffe, ich bin im Kopf klar genug, um Gott reden zu hören.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Wir sind so unglaublich reich

Ich habe gerade einen Bericht gelesen über die Morde an den drei Christen in der Türkei vor ein paar Wochen. Es ist erschreckend zu lesen, wie normal sie waren und wie alltäglich ihr Leben verlief, bevor es mit einer so grausamen Vollbremsung zum Stillstand gebracht wurde. Besonders eng fühle ich mich mit Tilman Geske verbunden – nicht nur, weil er Deutscher war, sondern vor allem in seiner Rolle als Familienvater. Seine Kinder müssen nun ohne ihn groß werden und ich ahne, wie schwer das sein wird. Wenn ich mir meine drei Kinder in der Situation vorstelle, zerreißt es mich. Seine Frau hat ihren Mann verloren und muss nun ihr Leben wieder alleine führen und allein die Verantwortung für ihre Kinder tragen. Es macht mich traurig, wenn ich die Geschichte der anderen Männer und ihrer Familien lese. Die Frage nach dem Warum stelle ich nicht – Jesus hat uns schon vor 2000 Jahren darauf vorbereitet, dass solche Dinge passieren und sie passieren ja täglich, nur erleben wir sie selten so hautnah mit.

Was mir bis jetzt nicht klar war, ist, dass die Gemeinde in der Provinz liegt, die mal den Namen Smyrna getragen hat – eine Gemeinde, die auch in der Offenbarung vorkommt und über die ich am kommenden Sonntag im Abendgottesdienst predigen werde. Im letzten Buch der Bibel heißt es: "Ich kenne deine Leiden und ich weiß, in welcher Armut du lebst, doch in Wirklichkeit bist du reich. […] Fürchte dich nicht vor dem, was dir noch bevorsteht. […] Zehn Tage (Anmerkung: also eine kurze, begrenzte Zeit) werdet ihr leiden müssen. Doch wenn du mir treu bleibst bis zum Tod, werde ich dir den Siegespreis, das ewige Leben geben." (Offenbarung 2, 9.10). Unglaublich, wie aktuell dieser Text ist.

Wenn ich an meine Brüder in der Türkei denke, dann erscheint das, was wir gestern getan haben, in einem anderen Licht. Wir saßen im Mitgliederforum und haben überlegt, wie wir unser Finanzloch in Höhe von € 10.000,- schließen können. Natürlich ist das viel Geld und wir brauchen es auch, aber diese Frage ist irgendwie so unwichtig geworden. Obwohl ist stolz auf meine Leute bin, denn ich denke, wir sind von der richtigen Seite an die Frage herangegangen und haben es nicht zu gelassen, dass das Geld uns regiert, sondern Jesus weiter den Ton angibt. Wir werden ihm vertrauen, das ist das neue alte Fazit, das wir gestern gezogen haben.

Manchmal frage ich mich aber, ob es nicht doch sinnvoll wäre, wenn wir einfach unsere Kirchen verkaufen würden, um mehr Zeit für unsere Aufgabe hier zu haben. Wären wir nicht viel freier? Hätten wir nicht mehr Geld zur Verfügung? Natürlich ist es schön, dass wir so ein tolles Haus haben, aber es ist eben auch eine Belastung.

Wer übrigens den Brief aus der Gemeinde in Smyrna haben will, kann mir gern ein Mail schicken.

Mittwoch, 2. Mai 2007

Eis, Sonne und Stockbrot


Das Wetter ist der Hammer. Sonne satt und dazu dann auch noch frei - ein idealer Zeitpunkt, um mal als Familie unsere erste Farradtour zu machen. Mit Elias war das bisher so nicht möglich. Jetzt ist er sattelfest. Der erste große Ritt seines Lebens ging dann zusammen mit uns zu Zielbergs. Wunderbare Menschen mit einem unglaublich netten Haus. Nach dem Grillen ging es mit dem Fahrrad zur Eisdiele (und zurück - gut 4 km). Haben die Kinder großartig gemacht. Zum Abschluss gab es Stockbrot am offenen Feuer. Mmmmmh.

Nun hat der Alltag mich zurückbekommen. ich werde heute mal an meiner religionssoziologischen Analyse weiterstricken und heute Abend werde ich dann im Mitgliederforum sein. In der Gemeinde stehen wir gerade vor ein paar großen Herausforderungen. Eine davon ist die Tatsache, dass uns Geld fehlt. Die Ausgaben liegen über den Einnahmen. Auch wenn die Situation ernst ist, will ich mir hier doch meinen kindlichen Glauben bewahren: Wenn das, was wir hier tun, in Gottes Sinne ist und wir nirgendwo Geld verschwenden, dann sollten wir uns auch keine Sorgen machen. Die Kernfrage ist also nicht: Woher bekommen wir mehr Geld?, sondern: Sind wir auf dem richtigen Weg?

Montag, 30. April 2007

In der Gegenwart Gottes leben

Ich habe heute wieder mal bei Michael Frost weitergelesen. Es ging um die Frage, wie wir heute eng verbunden mit Gott im Alltag leben können. Dazu hat er ein paar Leitsätze von Bruder Lawrence ausgegraben, die mir sehr gut gefallen haben. Der gute Bruder war Mönch der Karmeliter - interessanterweise arbeitete er nicht als Cheftheologe, sondern als Koch und später als Sandalenmacher - wobei seine letzte Beschäftigung etwas komisch ist, da seine Bruderschaft auch als die Barfüßer bekannt waren. Na ja, vielleicht waren auch einfach nur seine Sandalen schlecht. Jedenfalls verfasste Bruder Lawrencen ein paar Leitsätze für geistliche Übungen, die uns helfen sollen, die Gegenwart Gottes in unserem Alltag stärker zu erfassen. Hier kommen sie:

1. Suche Gottes Gegenwart: Beschütze dein Herz so, dass es durch und durch rein bleibt
Es geht darum, darauf zu achten, was wir unserem Kopf, unseren Augen und unseren Ohren antun. Damit trifft der Bruder voll ins Schwarze. Ich bin bei weitem nicht weltfremd und schreie auch nicht gleich "Gefahr" sobald etwas Neues am Horizont erscheint, aber es ist so unglaublich leicht geworden, sich mit Dingen zu zu müllen, die unsere Seele austrocknen. Statt uns also mit allem möglichen vollzupumpen, sollten wir stärker fragen, was uns näher zu Gott bringt und was uns wirklich gut tut. Wer es nicht glaubt, den lade ich zu einem Selbstversuch ein: Schau mal eine halbe Stunde mit geschlossenen Augen in die Sonne und denke darüber nach, wie sehr Gott dich liebt. Anschließend schau dir irgendeine Soap an und frage dich, ob Benny nun die Drogen bei Jennifer versteckt hat oder ob es doch Robert war. Dann überlege dir mal in Ruhe, bei welchen Teil des Tests es dir besser ging.

2. Siehe Gottes Gegenwart: Konzentriere deine Seele ganz und gar auf deinen Glaube an Gott
Versuche Gottes Gegenwart in jedem Detail deines Lebens zu entdecken. Nein, es geht nicht darum, jetzt zum Pantheismus überzutreten, sondern zu verstehen, dass Gott in jedem Augenblick unseres Lebens bei uns ist und alles hier um uns herum von ihm geschaffen wurde.

3. Lebe Gottes Gegenwart: Tue alles, was du tust, um Gott damit zu lieben
Also nicht nur im Gottesdienst sitzen, Lieder singen und über die Predigt staunen, sondern jedes Minute deines Alltags soll eine Liebeserklärung sein. Nicht, damit Gott dich liebt (das tut er schon lange), sondern gerade weil er dich liebt. Straße fegen, Elektroleitungen verlegen, Auto fahren und dabei ständig vor Augen: Gott, ich mach das jetzt so, dass du dich darüber freust. Nein, Lawrece hatte keine Kinder, die abends quengeln .... Aber auch wenn es manchmal sehr schwer ist, das umzusetzen, ist es trotzdem ein guter Ansatz.

4. Sprich in die Gegenwart Gottes: Sende kurze Gebete zu Gott
Statt große Morgen- oder Abendgebete, statt breite Gebetsgemeinschaften im Hauskreis, statt einem Wettstreit der Formulierungen ist unser Freund der Mönch der Ansicht, dass wir uns auf kurze Gebete konzentrieren sollten, die so klingen können: "Danke Gott, dass du mich liebst." "Du bist König." "Gott, dir sei alles Ehre." Nicht nur einmal am Tag kurz vor dem Einschlafen, sondern immer wieder und in allen möglichen Situationen.

5. Bewahre die Gegenwart Gottes: Siehe die Gegenwart als das Wichtigste in deinem Leben
Wenn wir uns darauf konzentrieren, werden wir die Prioritäten im Leben immer richtig setzen.

Natürlich neu und spektakulär sind diese Sätze alle nicht, aber ich denke, in ihnen steckt eine tiefe Weisheit, die wir dann am besten entdecken, wenn wir anfangen, sie umzustetzen.

Sonntag, 29. April 2007

Sonntagabend


Die Engländer sitzen im Flugzeug, die Kinder sind so gut wie im Traumland angekommen und Karin bereitet sich auf einen Zug durch die Gemeinde mit Heike vor (na ja, sie gehen einen Salat essen). Es war ein wunderschönes Wochenende, wenn auch nicht ganz stressfrei, aber schön.

Cedric hat gepredigt (das ist der Mann links auf dem Foto). Seine Worte taten gut, weil er jemand ist, der hinter seine Botschaft zurücktritt. So ist es einfach, dass seine Predigt eine Erfahrung (also etwas ist, was dir wirklich weiter hilft) wird und nicht bloß ein Erlebnis bleibt. Nach der Predigt gab er ein paar Eindrücke weiter, die ihm Gott aufs Herz gelegt hat. Ich glaube, mit jedem Gedanken hat er voll ins Schwarze getroffen und den Menschen ein wenig von der Liebe Gottes gezeigt - und das in seiner beeindruckenden dienenden Art.

Wer übrigens mehr Fotos sehen will, muss nur auf das Foto klicken.

Gestern war die letzte JesusHouse-Veranstaltung. Vorhin habe ich bei Idea gelesen, dass es zwar weniger Zuschauer gab, aber alles in allem mehr Entscheidungen. Das ist schön. Was mir Sorgen macht ist, in dem Zusammenhang das, was ich in einer Mail aus meiner alten Arbeitsgruppe gelesen habe. Es gibt zumindest hier in Hamburg relativ wenig Nacharbeitsgruppen. Ich hoffe, dass sich daran noch etwas ändert, denn wen wir es jetzt nicht schaffen, die Jungs und Mädels, die einen Anfang mit Jesus gemacht haben, mit anderen Christen zu vernetzten, dann war die ganze Arbeit der letzten Monate mehr oder weniger umsonst.

Freitag, 27. April 2007

Ein runder Tag

Bevor das Sandmännchen an meine Tür hämmert, will ich doch noch mal ein paar Gedanken festhalten. Ich war heute mit Cedric Hobbs, seiner Frau Audry und fünft Studenten aus England unterwegs - alles durch die Bank weg nette Leute. Wenn jemand mal Besuch aus England haben will, dann sollte er sich ein paar von ihnen einladen.

Ich habe ihnen ein wenig von Hamburg gezeigt und sie haben mir die Chance gegeben, mein Englisch zu trainieren. Der Vortrag lief prima - Cedric meinte hinterher, dafür, dass dies mein erster Vortrag auf Englisch war, war es richtig gut. Sie sind wirklich sehr freundlich ....
Es war gut mit ihnen zu reden und vor allem, sich mit ihnen darüber zu unterhalten, wie wir Menschen erreichen können. Es hilft mir sehr, meine Gedanken in solchen Gesprächen zu platzieren, wirken zu lassen und zu sehen, wie sie aufgenommen und weitergedacht werden.

Später habe ich mich noch mit Sarah unterhalten. Sie wollte wissen, wie viele Gemeinden es in Hamburg gibt. In meiner Antwort erwähnte ich auch, dass es einige hier gibt, in denen Jesus alles andere als eine zentrale Rolle spielt. Das hat sie merklich geschockt. Warum lässt mich das eigentlich so kalt?

Seit gestern weiß ich nun ganz offiziell, dass ich zum Theologischen Arbeitskreis des BEG's gehöre (das ist die Gemeindevereinigung, zu der wir gehören). Das finde ich jetzt richtig herausfordernd, zumal wir uns dort demnächst intensiv mit dem Thema Gemeinde und Gemeindeverständnis geschäftigen. Die nächste Sitzung ist in rund 14 Tagen im tiefsten Bayern. Na gut, Opfer gehören eben dazu.

Es hat geklopft. Ich nehme an, es ist der kleine Kerl mit der Mütze und dem Sack voller Schlafsand ....

Donnerstag, 26. April 2007

Feierabend!

So, ich habe gerade mein Referat fertig gemacht, das ich morgen bei unseren Freunden aus England halten werde. Es ist das erste Mal, das ich so etwas nicht in meiner Muttersprache tue. Ich hoffe sehr, dass die Jungs und Mädels anschließend nicht fest davon überzeugt sind, ich hätte die Gabe der Zungenrede.
Ehrlich gesagt, würde ich lieber Fragen stellen, als von uns zu erzählen. Mich interessiert es nämlich sehr, wie die auf der Insel im Augenblick Gemeinde bauen. Ich lese in letzter Zeit immer mal wieder ein Buch aus dem Königreich und habe den Eindruck, dass sie an manchen Stellen schon weiter gedacht haben als wir.

Noemi, Tabita und Elias

Noemi, Tabita und Elias
Drei Gründe, um Gott dankbar zu sein.