Mittwoch, 30. Mai 2007
Händchenhalten mit Gott
Im ersten Augenblick würde ich gern diese Worte ausblenden, weil sie mir zu brutal erscheinen, um mich dann nur über den Postkartenvers zu freuen, aber dann entfaltet sich plötzlich eine neue Weite. Es geht einen Schicht tiefer. Meine Feinde, dass sind nicht die Nachbarn, die mit dem Rasenmäher nerven oder der Kerl, der dir mit seinen Anrufen das Leben zur Hölle macht.
Es geht um Satan, den Gott eines Tages vernichten wird. Ihn wird man irgendwann einmal vergeblich suchen. Die Spuren, die er hinterlassen hat, werden nicht mehr zu sehen sein. Kein Hunger mehr, keine misshandelten Kinder, keine drogensüchtigen Teenager, keine Lügen, keine Verletzungen und kein Abschiednehmen mehr. Und bis dahin? Gott sagt: „Denn ich bin der Herr, dein Gott. Ich nehme ich an deiner rechten Hand und sage: Habe keine Angst. Ich helfe dir.“ Wir werden immer wieder im Leben in Sackgassen geraten, aber wir sind nicht alleine. Einer hält unsere Hand. Das ist gut.
Heiligungsbewegung
Interessant ist, das die Menschen damals eigentlich nichts anderes wollten, als viele Menschen heute. Sie wollten nicht nur wissen, dass sie gerettet sind, sie wollten es erfahren, spüren, anfassen können.
Dienstag, 29. Mai 2007
Pfingsten
Am Wochenende waren wir als Gemeinde in der Bleibergquelle. Seit ein paar Jahren arbeitet ja Schwester Brigitte bei uns in der Stadtmission und das Mutterhaus unterstützt uns dabei sehr – nicht nur finanziell. Nun war es höchste Zeit, Danke zu sagen. Wir also runter nach Velbert. Raimund und Eike haben Theater gespielt (ganz klasse Stücke), Gunnar machte Musik (wie immer gut) und ich habe eine Kurzpredigt und ein Seminar gehalten, was auch ziemlich gut war, weil die Leute voll und ganz bei der Sache waren. Spannend war hier auch das Ambiente. In den Räumen, in denen die Seminare gehalten wurden, wurde seit den 70er nichts mehr renoviert. Es war eine echte Zeitreise, mit Fototapete, riesigen rot-orangenen Tapetenmustern und braunem Teppich. Jeder, der Retrostile mag, wird mich jetzt beneiden.
In den letzten Tagen ist mir der Gedanke gekommen, dass Konferenz ein idealer Ort ist, um eine Gemeindefreizeit zu verbringen. Es gibt ein reichhaltiges Angebot an Gottesdiensten, Seminaren, Kinderprogrammen usw.. Wir hatten Zeit füreinander, weil niemand ständig irgendetwas vorbereiten musste und dadurch, dass andere gepredigt und Seminare gehalten haben, gab es obendrauf eine ordentliche Horizonterweiterung. Wir sollten mal darüber nachdenken, ob wir das nicht noch mal machen wollen.
Übel war nur die Anfahrt. WARUM MÜSSEN IMMER ALLE FAHREN WENN WIR FAHREN???? Wir haben sechs Stunden für die Strecke Hamburg – Velbert gebraucht. Allein, um aus Hamburg rauszukommen, brauchten wir 2,5 Stunden! Und damit lagen wir noch nicht mal so schlecht. Klugs brauchten acht Stunden. Nur mal zum Vergleich: Schulzes sind nachts gefahren, haben am goldenen M Rast gemacht und waren nach 3 Stunden da.
Dienstag, 22. Mai 2007
Ein neuer Horizont erwartet uns
Ich freue mich unglaublich auf die neue Herausforderung. Es ist eine Gemeinde, die ganz anders ist als die Stadtmission, aber ich habe den Eindruck, ich kann meine Gaben und Fähigkeiten dort gut einbringen. Während meines Studiums am Theologischen Seminar waren wir dort Mitglieder und ich freue mich sehr darauf, wieder alte Bekannte zu treffen und mit ihnen weiter Gemeinde zu bauen. Es ist fast so, als würden wir nach Hause kommen, auch wenn sich in den letzten 10 Jahren vieles verändert hat.
Die andere Seite der Medaille wird der Abschied hier sein. Schon am Sonntag flossen einige Tränen, manche können und wollen nicht verstehen, dass wir gehen, andere haben Angst vor dem, was oder besser, wer nach uns kommt. Das heißt, neben den Emotionen, mit denen wir konfrontiert sind, haben wir eine sehr knifflige Aufgabe vor uns. Hinzu kommt, dass wir im Frühjahr nächsten Jahres einen neuen Vorstand einsetzen werden. Wir können es schaffen, aber wir müssen konzentriert arbeiten und sehr hellhörig sein auf das, was Jesus uns in dieser Zeit sagen will.
Noch was anderes. Heute habe ich von einer Gemeinde gelesen, die ihren Gottesdienstraum in ver Zonen eingeteilt hat, die mit Klebeband auf dem Boden deutlich voneinander getrennt sind. Es sind die hot-and-cold-worship-zones. In den ersten Reihen vor der Kanzel sitzen sie, deren Herz voll ist und die Gott ganz und gar anbeten wollen. Hier sieht man viele Hände, die nach oben gehen, Leute singen aus voller Kehle, sie tanzen. Dahinter sitzen die, die einfach nur froh sind, im Gottesdienst zu sein. Sie singen mit, aber sie bleiben vielleicht während der Anbetungszeit sitzen. Danach kommen dann die, die den Gottesdienst distanziert beobachten und dann gibt es noch die, die in einem separaten Raum hinter einer Glasschscheibe sitzen, mit Kaffeemaschine. Sie beobachten und entspannen sich einfach nur. Je nachdem, wie sich jemand gerade fühlt oder mit welchen Motiven er gekommen ist, sitzt er an unterschiedlichen Stellen im Gottesdienst. Bizarr oder? Auf der anderen Seite: Ist das nicht auch sehr echt und sehr besucherfreundlich? Ich werde nicht gezwungen, irgendwo mitzumachen. Ich muss nicht zur Anbetung aufstehen und meine Lunge aus dem Hals singen, nur weil es die anderen auch tun. Andererseits kann ich es aber tun, wenn ich es will. Ein Mensch, der erst einmal aus einer gewissen Distanz Christen und ihre Botschaft kennen lernen will, kann das in Sicherheit tun, ohne Angst haben zu müssen, vereinnahmt zu werden.
Ich habe nicht vor, morgen los zu ziehen und Klebeband zu kaufen, aber die Richtung gefällt mir. Das ist nichts zum Kopieren, sondern zum Kapieren.
Freitag, 18. Mai 2007
Thyatira
Ich sitze gerade an meiner Predigt für Sonntagabend. Es geht um das Sendschreiben an die Gemeinde in Thyatira. Einer der Texte, bei denen man in Ruhe hinschauen muss, um sie in der ganzen Tiefe zu verstehen. In diesem Brief wirft Jesus seiner Gemeinde vor, dass sie die Irrlehren einer falschen Prophetin zulässt. Die Frau steht auf der Kanzel und erzählt fröhlich frisch, dass es für Christen eine unglaubliche Reife darstellt, wenn sie an einem Tag zum Grillen im Zeustempel und am nächsten Tag zum Swingen bei Uschi verabredet sind.
An der Stelle könnte ich es mir ja leicht machen und einfach mal eine Liste aufstellen, was man heute als guter Christ alles darf und was nicht – oder ich greife einfach auf eine der vielen tausend zurück, die es schon zu diesem Thema gibt. Aber es doch um mehr, als dass Jesus Götzenopferfleisch ekelig und Pornoschuppen doof findet.
Ich denke, wir müssen den präsentischen Aspekt des Reiches Gottes hier im Blick behalten. Jesus hat uns das ewige Leben geschenkt, das eben nicht erst nach unserem Tod anfängt, sondern heute schon. Ein Leben in Fülle, Qualität und Tiefe. Wenn er uns Dinge aufs Herz legt, die wir ablegen sollen, dann meint er immer etwas, was uns von diesem neuen Leben ablenkt, uns blind dafür macht oder uns wie Bettler aussehen lässt, obwohl wir Königskinder sind. Kurz: Dinge, die das in unserem Leben wieder kaputt machen, was Jesus mit seinem Leben bezahlt hat. Klar, dass er da so empfindlich reagiert.
1000 km
Den Mittwoch und Donnerstag habe ich größtenteils auf der Autobahn verbracht. Karin war mit den Kindern bei ihren Eltern – Landleben. Am Mittwoch bin ich dann hinterhergefahren, um sie abzuholen. Leider waren alle anderen in Deutschland auch unterwegs. Nachdem ich für die Strecke Hamburg – Hannover 2,5 Stunden gebraucht habe, wollte ich mir meine Zeit damit vertreiben, die Staus zu zählen, was mich aber bereits kurz vor Kassel intellektuell überfordert hat. Ich habe dann festgelegt, dass es ein Stau mit kurzen Unterbrechungen war. Das hat mich entspannt und ich konnte meine Aufmerksamkeit ganz dem Heavy Metal Konzert im Radio widmen. Ich mag die Musik eigentlich gar nicht, aber als ich mir 1000 Head-Bangers (schreibt man das so?) vorgestellt habe, stieg die Stimmung wieder ein wenig und ich habe die Fahrt doch noch überlebt.
Montag, 14. Mai 2007
Montagvormittag
Vor ein paar Stunden habe ich ein Mail bekommen, das mich nachdenklich gemacht hat. Es ist so eine Art Gegendarstellung des Pastors aus der Türkei, wo die drei Christen vor ein paar Wochen ermordet wurden. Ich hatte ja von einem Brief erzählt, den ich erhalten habe und der ein wenig den Hintergrund erleuchtet. Offenbar wurde aber darin mächtig übertrieben. Die Christen wurden zwar ermordet, aber bei weitem nicht so brutal. Der Pastor meint, dass der ganze Brief wohl gar nicht von Christen verfasst wurde, sondern von Islamisten, die ihn für ihre Propaganda missbrauchen wollen. Ich denke, die Sache wird unübersichtlich und wir sollten es dabei belassen festzustellen, dass die Drei ermordet wurden und nicht aufhören für die Christen in der Türkei zu beten.
In diesem Zusammenhang habe ich auch noch mal darüber nachgedacht, ob es gut oder schlecht ist, wenn wir die Türkei in die EU aufnehmen. Meine erste, spontane Reaktion vor ein paar Wochen war ja: "Bloß das nicht. Dann öffnen wir einem radikalen Islam die Tür." Andererseits: Ist das nicht auch unsere Chance, mehr Einfluss auf die Türkei zu nehmen und so unseren Leuten dort zu helfen? Warum lassen wir es zu, dass uns der wachsende Einfluss des Isalms so viel Angst macht? Es ist Zeit, einem radikalen Islam einen Grund zu liefern, Angst vor uns zu bekommen, indem wir selbstbewusst auftreten und endlich zu dem stehen, wovon wir überzeugt sind - sei es unser Glaube an Christus oder oder seien es einfach nur unsere westlichen Werte (was immer das auch ist). Also ehrlich, wenn ich höre, dass das gute alte Sparschwein bei der Sparkasse verbannt wurde, aus Rücksicht vor moslemischen Gefühlen, dann hört es doch so langsam auf.
Noemi, Tabita und Elias
Drei Gründe, um Gott dankbar zu sein.