Mittwoch, 30. Mai 2007

Händchenhalten mit Gott

Vor ein paar Tagen habe ich den Text aus Jesaja 41,13 gelesen: „Denn ich bin der Herr, dein Gott. Ich nehme ich an deiner rechten Hand und sage: Habe keine Angst. Ich helfe dir.“ Losgelöst vom Kontext ist das ein Text, den wir blind auf jede Postkarte drucken würden. Wer aber weiterliest, wird das komische Gefühl nicht los, dass eine Postkarte ein denkbar unpassender Platz dafür ist. In den Versen davor und danach steht, dass Gott unsere Feinde verschwinden lassen und dass sein Volk wieder zu einer scharfen Dreschschaufel wird.
Im ersten Augenblick würde ich gern diese Worte ausblenden, weil sie mir zu brutal erscheinen, um mich dann nur über den Postkartenvers zu freuen, aber dann entfaltet sich plötzlich eine neue Weite. Es geht einen Schicht tiefer. Meine Feinde, dass sind nicht die Nachbarn, die mit dem Rasenmäher nerven oder der Kerl, der dir mit seinen Anrufen das Leben zur Hölle macht.
Es geht um Satan, den Gott eines Tages vernichten wird. Ihn wird man irgendwann einmal vergeblich suchen. Die Spuren, die er hinterlassen hat, werden nicht mehr zu sehen sein. Kein Hunger mehr, keine misshandelten Kinder, keine drogensüchtigen Teenager, keine Lügen, keine Verletzungen und kein Abschiednehmen mehr. Und bis dahin? Gott sagt: „Denn ich bin der Herr, dein Gott. Ich nehme ich an deiner rechten Hand und sage: Habe keine Angst. Ich helfe dir.“ Wir werden immer wieder im Leben in Sackgassen geraten, aber wir sind nicht alleine. Einer hält unsere Hand. Das ist gut.

Heiligungsbewegung

Im Augenblick lese ich ein wenig über die Heiligungsbewegung im 19. Jahrhundert. Spannend zu sehen, woher es kommt, dass ich so ticke, wie ich ticke. Ich hätte nie gedacht, dass ich von ihr so stark geprägt wurde, durch meine Eltern und meine Heimatgemeinde, die es wieder von ihren Eltern hatten bzw., von denen, die vor ihnen da waren. „Persönliche Entscheidung“, eine fast schon gesetzliche Enge im alltäglichen Leben, die Meinung, als guter Christ müsste ich ständig beschäftigt sein, das Denken, dass es eine klare Trennung zwischen „drinnen“ und „draußen“ gibt – und dass diese Linie auch irgendwie sichtbar werden muss usw.. Gegen manches wehre ich mich heute und merke dabei, wie schwer es ist, Prägungen wieder los zu werden. Sie sind halt ein Teil von mir. Meine Geschichte.

Interessant ist, das die Menschen damals eigentlich nichts anderes wollten, als viele Menschen heute. Sie wollten nicht nur wissen, dass sie gerettet sind, sie wollten es erfahren, spüren, anfassen können.

Dienstag, 29. Mai 2007

Pfingsten

Am Wochenende waren wir als Gemeinde in der Bleibergquelle. Seit ein paar Jahren arbeitet ja Schwester Brigitte bei uns in der Stadtmission und das Mutterhaus unterstützt uns dabei sehr – nicht nur finanziell. Nun war es höchste Zeit, Danke zu sagen. Wir also runter nach Velbert. Raimund und Eike haben Theater gespielt (ganz klasse Stücke), Gunnar machte Musik (wie immer gut) und ich habe eine Kurzpredigt und ein Seminar gehalten, was auch ziemlich gut war, weil die Leute voll und ganz bei der Sache waren. Spannend war hier auch das Ambiente. In den Räumen, in denen die Seminare gehalten wurden, wurde seit den 70er nichts mehr renoviert. Es war eine echte Zeitreise, mit Fototapete, riesigen rot-orangenen Tapetenmustern und braunem Teppich. Jeder, der Retrostile mag, wird mich jetzt beneiden.

In den letzten Tagen ist mir der Gedanke gekommen, dass Konferenz ein idealer Ort ist, um eine Gemeindefreizeit zu verbringen. Es gibt ein reichhaltiges Angebot an Gottesdiensten, Seminaren, Kinderprogrammen usw.. Wir hatten Zeit füreinander, weil niemand ständig irgendetwas vorbereiten musste und dadurch, dass andere gepredigt und Seminare gehalten haben, gab es obendrauf eine ordentliche Horizonterweiterung. Wir sollten mal darüber nachdenken, ob wir das nicht noch mal machen wollen.

Übel war nur die Anfahrt. WARUM MÜSSEN IMMER ALLE FAHREN WENN WIR FAHREN???? Wir haben sechs Stunden für die Strecke Hamburg – Velbert gebraucht. Allein, um aus Hamburg rauszukommen, brauchten wir 2,5 Stunden! Und damit lagen wir noch nicht mal so schlecht. Klugs brauchten acht Stunden. Nur mal zum Vergleich: Schulzes sind nachts gefahren, haben am goldenen M Rast gemacht und waren nach 3 Stunden da.

Dienstag, 22. Mai 2007

Ein neuer Horizont erwartet uns

Am Sonntag haben wir es in den Gottesdiensten bekannt gegeben und damit ist es nun ganz offiziell: Wir werden die Stadtmission im Sommer 2008 verlassen. Noch müssen die letzten Gespräche geführt werden, und wir müssen dann eine endgültige Entscheidung treffen, aber so wie in den letzten Wochen hier eine Tür nach der nächsten aufgegangen ist, wird unsere neue Heimat wieder einmal Marburg sein. Karin hat dort viele Jahre gelebt, ich habe dort studiert und wir hatten dort unsere erste gemeinsame Wohnung.
Ich freue mich unglaublich auf die neue Herausforderung. Es ist eine Gemeinde, die ganz anders ist als die Stadtmission, aber ich habe den Eindruck, ich kann meine Gaben und Fähigkeiten dort gut einbringen. Während meines Studiums am Theologischen Seminar waren wir dort Mitglieder und ich freue mich sehr darauf, wieder alte Bekannte zu treffen und mit ihnen weiter Gemeinde zu bauen. Es ist fast so, als würden wir nach Hause kommen, auch wenn sich in den letzten 10 Jahren vieles verändert hat.
Die andere Seite der Medaille wird der Abschied hier sein. Schon am Sonntag flossen einige Tränen, manche können und wollen nicht verstehen, dass wir gehen, andere haben Angst vor dem, was oder besser, wer nach uns kommt. Das heißt, neben den Emotionen, mit denen wir konfrontiert sind, haben wir eine sehr knifflige Aufgabe vor uns. Hinzu kommt, dass wir im Frühjahr nächsten Jahres einen neuen Vorstand einsetzen werden. Wir können es schaffen, aber wir müssen konzentriert arbeiten und sehr hellhörig sein auf das, was Jesus uns in dieser Zeit sagen will.

Noch was anderes. Heute habe ich von einer Gemeinde gelesen, die ihren Gottesdienstraum in ver Zonen eingeteilt hat, die mit Klebeband auf dem Boden deutlich voneinander getrennt sind. Es sind die hot-and-cold-worship-zones. In den ersten Reihen vor der Kanzel sitzen sie, deren Herz voll ist und die Gott ganz und gar anbeten wollen. Hier sieht man viele Hände, die nach oben gehen, Leute singen aus voller Kehle, sie tanzen. Dahinter sitzen die, die einfach nur froh sind, im Gottesdienst zu sein. Sie singen mit, aber sie bleiben vielleicht während der Anbetungszeit sitzen. Danach kommen dann die, die den Gottesdienst distanziert beobachten und dann gibt es noch die, die in einem separaten Raum hinter einer Glasschscheibe sitzen, mit Kaffeemaschine. Sie beobachten und entspannen sich einfach nur. Je nachdem, wie sich jemand gerade fühlt oder mit welchen Motiven er gekommen ist, sitzt er an unterschiedlichen Stellen im Gottesdienst. Bizarr oder? Auf der anderen Seite: Ist das nicht auch sehr echt und sehr besucherfreundlich? Ich werde nicht gezwungen, irgendwo mitzumachen. Ich muss nicht zur Anbetung aufstehen und meine Lunge aus dem Hals singen, nur weil es die anderen auch tun. Andererseits kann ich es aber tun, wenn ich es will. Ein Mensch, der erst einmal aus einer gewissen Distanz Christen und ihre Botschaft kennen lernen will, kann das in Sicherheit tun, ohne Angst haben zu müssen, vereinnahmt zu werden.
Ich habe nicht vor, morgen los zu ziehen und Klebeband zu kaufen, aber die Richtung gefällt mir. Das ist nichts zum Kopieren, sondern zum Kapieren.

Freitag, 18. Mai 2007

Thyatira

Ich sitze gerade an meiner Predigt für Sonntagabend. Es geht um das Sendschreiben an die Gemeinde in Thyatira. Einer der Texte, bei denen man in Ruhe hinschauen muss, um sie in der ganzen Tiefe zu verstehen. In diesem Brief wirft Jesus seiner Gemeinde vor, dass sie die Irrlehren einer falschen Prophetin zulässt. Die Frau steht auf der Kanzel und erzählt fröhlich frisch, dass es für Christen eine unglaubliche Reife darstellt, wenn sie an einem Tag zum Grillen im Zeustempel und am nächsten Tag zum Swingen bei Uschi verabredet sind.

An der Stelle könnte ich es mir ja leicht machen und einfach mal eine Liste aufstellen, was man heute als guter Christ alles darf und was nicht – oder ich greife einfach auf eine der vielen tausend zurück, die es schon zu diesem Thema gibt. Aber es doch um mehr, als dass Jesus Götzenopferfleisch ekelig und Pornoschuppen doof findet.

Ich denke, wir müssen den präsentischen Aspekt des Reiches Gottes hier im Blick behalten. Jesus hat uns das ewige Leben geschenkt, das eben nicht erst nach unserem Tod anfängt, sondern heute schon. Ein Leben in Fülle, Qualität und Tiefe. Wenn er uns Dinge aufs Herz legt, die wir ablegen sollen, dann meint er immer etwas, was uns von diesem neuen Leben ablenkt, uns blind dafür macht oder uns wie Bettler aussehen lässt, obwohl wir Königskinder sind. Kurz: Dinge, die das in unserem Leben wieder kaputt machen, was Jesus mit seinem Leben bezahlt hat. Klar, dass er da so empfindlich reagiert.

1000 km

Den Mittwoch und Donnerstag habe ich größtenteils auf der Autobahn verbracht. Karin war mit den Kindern bei ihren Eltern – Landleben. Am Mittwoch bin ich dann hinterhergefahren, um sie abzuholen. Leider waren alle anderen in Deutschland auch unterwegs. Nachdem ich für die Strecke Hamburg – Hannover 2,5 Stunden gebraucht habe, wollte ich mir meine Zeit damit vertreiben, die Staus zu zählen, was mich aber bereits kurz vor Kassel intellektuell überfordert hat. Ich habe dann festgelegt, dass es ein Stau mit kurzen Unterbrechungen war. Das hat mich entspannt und ich konnte meine Aufmerksamkeit ganz dem Heavy Metal Konzert im Radio widmen. Ich mag die Musik eigentlich gar nicht, aber als ich mir 1000 Head-Bangers (schreibt man das so?) vorgestellt habe, stieg die Stimmung wieder ein wenig und ich habe die Fahrt doch noch überlebt.

Montag, 14. Mai 2007

Montagvormittag

Ich genieße gerade meinen freien Tag in vollen Zügen. Die Sonne scheint und es gibt nichts, was dringend erledigt werden muss. Das tut gut. Die Woche war schon heftig - Stederdorf, Gunzenhausen, Sonntagvormittag Konfirmation und abends dann noch der Moasikgottesdienst. Jetzt ist es schön, mal einen Moment still zu sitzen und über die letzten Tage nachzudenken. So schaffe ich es dann, dass sie nicht einfach nur als abgelaufene Termine verblasen, sondern wirklich ein Teil meiner Biographie werden.
Vor ein paar Stunden habe ich ein Mail bekommen, das mich nachdenklich gemacht hat. Es ist so eine Art Gegendarstellung des Pastors aus der Türkei, wo die drei Christen vor ein paar Wochen ermordet wurden. Ich hatte ja von einem Brief erzählt, den ich erhalten habe und der ein wenig den Hintergrund erleuchtet. Offenbar wurde aber darin mächtig übertrieben. Die Christen wurden zwar ermordet, aber bei weitem nicht so brutal. Der Pastor meint, dass der ganze Brief wohl gar nicht von Christen verfasst wurde, sondern von Islamisten, die ihn für ihre Propaganda missbrauchen wollen. Ich denke, die Sache wird unübersichtlich und wir sollten es dabei belassen festzustellen, dass die Drei ermordet wurden und nicht aufhören für die Christen in der Türkei zu beten.
In diesem Zusammenhang habe ich auch noch mal darüber nachgedacht, ob es gut oder schlecht ist, wenn wir die Türkei in die EU aufnehmen. Meine erste, spontane Reaktion vor ein paar Wochen war ja: "Bloß das nicht. Dann öffnen wir einem radikalen Islam die Tür." Andererseits: Ist das nicht auch unsere Chance, mehr Einfluss auf die Türkei zu nehmen und so unseren Leuten dort zu helfen? Warum lassen wir es zu, dass uns der wachsende Einfluss des Isalms so viel Angst macht? Es ist Zeit, einem radikalen Islam einen Grund zu liefern, Angst vor uns zu bekommen, indem wir selbstbewusst auftreten und endlich zu dem stehen, wovon wir überzeugt sind - sei es unser Glaube an Christus oder oder seien es einfach nur unsere westlichen Werte (was immer das auch ist). Also ehrlich, wenn ich höre, dass das gute alte Sparschwein bei der Sparkasse verbannt wurde, aus Rücksicht vor moslemischen Gefühlen, dann hört es doch so langsam auf.

Freitag, 11. Mai 2007

Reisebericht Bayrisch-Kongo

Ich sitze gerade im Zug irgendwo zwischen Gunzenausen und Würzburg. Es ist richtig gemütich. Draußen ganz viel Landschaft – bayrisches Flachland, mit Sonnenuntergang. In der Luft eine Mischung aus gemähtem Gras, Dung, verbranntem Holz (oder sind das die Bremsen?) und altem Zug. Ich freue mich auf zu Hause, auch wenn ich nur einen Tag weg war, aber da gehöre ich nun mal hin.
Der Theologische Arbeitskreis war ziemlich gut. Ich merke, wie sehr mich das herausfordert und ich denke, das ist der Ort, an dem ich sicherlich in der nächsten Zeit wachsen werde. Ich habe nun einen Packen Hausaufgaben im Gepäck, von dem ich noch nicht wirklich weiß, wie es sie angehen soll, aber gerade das finde ich spannend. Es geht um die Frage Gemeinde und Institution – also wenn wir Leib Christi sind, warum und wie viel Institution brauchen wir dann? Wieso brauchen wir also dann solche Dinge, wie Mitgliedschaft usw., wenn wir eh schon dazu gehören? Brauchen wir sie? So in etwa. Ich muss mir das Protokoll noch einmal in Ruhe durchlesen, dann sehe ich klarer.
Das Gespräch fand auf der Hensoltshöhe statt. Sehr stilecht dort. Der Gang zum Sitzungszimmer erinnerte mich daran, dass ich meine Steuererklärung noch nicht fertig hatte und der Raum selber machte Lust, mal wieder mit Karin und den Kindern ins Freilichtmuseum zu fahren.
Anschließend hatte ich noch zwei Stunden. Ich habe den örtlichen Italiener besucht und festgestellt, dass er sehr gut kochen kann (falls es jemanden interessiert: der am Bahnhof). nachdem ich ein Rumpsteak, mit Pommes und Salat und ein Weizen bestellt hatte, bekam ich auf Kosten des Hauses noch einen Rotwein. Ich vermute, mit dem Rotwein wollte der Mann mir wenigstens einen Hauch Italien vermitteln, wenn ich schon seine Pizzen ignoriere. So standen da Bier und Wein vereint zusammen und waren bereit, mich auf meine kulinarische barbarisch-bayrisch-italienische Reise zu begleiten, was sie dann auch erfolgreich getan haben. Danke Jungs.
Der Bahnhof in Gunzenhausen hat einen sehr meditativen Charakter. Falls ihr mal einen Ort sucht, um zur Ruhe zu kommen .... Der ultimative Höhepunkt war der Güterzug um 18.44 Uhr, der ungebremst durch den Bahnhof donnerte und mir für einen kurzen Augenblick das Gefühl zurückgab, doch noch am Leben zu sein. Nach 1,5 Stunden Wartezeit ging es dann endlich los. Nun reise ich also durch die bayrischen Tiefebene. Hätte ich es eilig, würde ich laufen.

Eine Stunde später: der Zug steht nun in Ansbach am Bahnhof, wo er 15 Minuten Aufenthalt hat und stelle mir nur noch eine Frage: Warum? Hier passiert nichts, ausser dass die Sonne untergeht. Warum fährt er nicht einfach weiter? Aber er bleibt hier immer stehen, wenn ich die Ureinwohner richtig verstanden habe. Ich muss zurück in die Stadt, dringend.

Mittwoch, 9. Mai 2007

Rolf, Klebereis und die Bahn

Ich komme gerade aus Stederdorf zurück, wo wir Rolf beerdigt haben. Er ist vor ein paar Wochen ganz allein in irgendeinem Hochhaus in Bremen verstorben. Zur Trauerfeier kamen nicht viele, aber das, was da passiert ist, war echt. Keine großen Reden, keine aufgedonnerten Programmelemente, keine mächtigen Chöre, sondern einfach nur liebevolles, stilles Abschied nehmen. Das Programm diente der Absicht und stellte sich nicht selber dar. Es war ganz persönlich. Ganz echt – und dabei wurde der Blick auf Gott freigegeben. So eine Beerdigung wünsche ich jedem.

Heute Abend gibt es Klebereis, nachdem ich es geschafft habe, zweimal hintereinander zu vergessen, den Reis über Nacht einzuweichen. Die Kinder haben sich als sehr barmherzige Geschöpfe erwiesen. Danke für eure Geduld. Ihr seid wunderbar. Morgen bin ich dann in Gunzenhausen (des is' do' wo die Leit wohnen mit am Dialekt, der di niederstreckt) zum Theologischen Arbeitskreis. Hamburg-Gunzenhausen-Hamburg – das wird der Ritt des Monats. Ich habe mir jede Menge zu arbeiten mitgenommen, so dass ich die Zeit im Zug gut nutzen kann. Ich hoffe nur, dass ich nicht neben einem menschgewordenen Call-Center sitzen werde.

Jetzt würde ich gern die Mittwochs-Mail auf den Weg schicken, aber leider ist mal wieder der Server offline, auf dem unsere Homepage liegt. Irgendwie müssen wir da mal eine Lösung finden …


 

Montag, 7. Mai 2007

echt

Ich lese in letzter Zeit immer wieder einmal von einer neuen Sehnsucht in unserer Kultur: Die Sehnsucht nach echten Dingen. Menschen haben es satt mit einem Computer reden zu müssen, wenn sie irgendwo anrufen und eien Frage haben. Sie wollen die Antwort von echten Menschen. Ein Bekannter erzählte mir, dass er seit einigen Monaten sehr genau auf die Inhaltsstoffe der Lebensmittel achtet, die er kauft, weil er wissen will, was er isst. Und er will richtige Nahrungsmittel, die auf einem Feld oder im Stall groß geworden sind und nicht im Labor. Wir wollen keine Milch, die ihre Temperatur selber regulieren kann. Wir wollen Milch von echten Kühen.

Zwischendurch habe ich mich gefragt, wie solche Phänomene, wie Secondlife da hinein passen. Menschen schlüpfen in eine unechte Rolle in einer unechten Welt, aber was zunächst wie ein Widerspruch aussieht, ist vielleicht sogar eine Bestätigung. Endlich können Menschen einmal so sein, wie sie schon immer sein wollten. Sie können echt sein – verborgen hinter einem hübschen Avantare aus Einsen und Nullen.

Ich würde mir sehr wünsche, wenn wir uns als Gemeinde Jesu davon anstecken lassen würden. Vielleicht könnten wir hier sogar eine Kultur formen, indem wir aufhören, Veranstaltungen zu zelebrieren, in denen alles so unglaublich perfekt aufeinander abgestimmt ist, wie im Fernsehen und einmal mehr Raum geben, um zu erzählen wie es uns wirklich geht. Gerade ein Gottesdienst sollte doch der Ort sein, an dem ich wirklich durch und durch echt sein kann, oder? Vielleicht geht es darum, dass wir einmal riskieren, dass bestimmte Zeiten im Gottesdienst oder bei anderen Treffen und nicht perfekt durchgeplant sind. Ich habe mal gelernt, dass dort, wo Kinder sich langweilen, sie anfangen, kreativ zu werden. Wenn das auch für Erwachsene stimmt, dann könnten hier sehr echte Begegnungen stattfinden, auch wenn der Weg dorthin sehr schwer sein wird.

Samstag, 5. Mai 2007

Ich war völlig platt

Donnerstagabend haben ich ihn bekommen: den Virus, den im Augenblick alle haben. Beim Abbauen konnte man mir zuschauen. Innerhalb von zwei Stunden lag ich am Boden oder besser: im Bett. Freitag ging gar nichts mehr, außer schlafen. Schade, denn eigentlich wollten wir nachmittags zu Steffens an die Ostsee, baden, grillen und wie immer nett reden. Na ja, das müssen wir dann nachholen. Heute (Samstag) geht es wieder einigermaßen. Ich werde jetzt mal versuchen, eine Predigt zu schreiben. Ich hoffe, ich bin im Kopf klar genug, um Gott reden zu hören.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Wir sind so unglaublich reich

Ich habe gerade einen Bericht gelesen über die Morde an den drei Christen in der Türkei vor ein paar Wochen. Es ist erschreckend zu lesen, wie normal sie waren und wie alltäglich ihr Leben verlief, bevor es mit einer so grausamen Vollbremsung zum Stillstand gebracht wurde. Besonders eng fühle ich mich mit Tilman Geske verbunden – nicht nur, weil er Deutscher war, sondern vor allem in seiner Rolle als Familienvater. Seine Kinder müssen nun ohne ihn groß werden und ich ahne, wie schwer das sein wird. Wenn ich mir meine drei Kinder in der Situation vorstelle, zerreißt es mich. Seine Frau hat ihren Mann verloren und muss nun ihr Leben wieder alleine führen und allein die Verantwortung für ihre Kinder tragen. Es macht mich traurig, wenn ich die Geschichte der anderen Männer und ihrer Familien lese. Die Frage nach dem Warum stelle ich nicht – Jesus hat uns schon vor 2000 Jahren darauf vorbereitet, dass solche Dinge passieren und sie passieren ja täglich, nur erleben wir sie selten so hautnah mit.

Was mir bis jetzt nicht klar war, ist, dass die Gemeinde in der Provinz liegt, die mal den Namen Smyrna getragen hat – eine Gemeinde, die auch in der Offenbarung vorkommt und über die ich am kommenden Sonntag im Abendgottesdienst predigen werde. Im letzten Buch der Bibel heißt es: "Ich kenne deine Leiden und ich weiß, in welcher Armut du lebst, doch in Wirklichkeit bist du reich. […] Fürchte dich nicht vor dem, was dir noch bevorsteht. […] Zehn Tage (Anmerkung: also eine kurze, begrenzte Zeit) werdet ihr leiden müssen. Doch wenn du mir treu bleibst bis zum Tod, werde ich dir den Siegespreis, das ewige Leben geben." (Offenbarung 2, 9.10). Unglaublich, wie aktuell dieser Text ist.

Wenn ich an meine Brüder in der Türkei denke, dann erscheint das, was wir gestern getan haben, in einem anderen Licht. Wir saßen im Mitgliederforum und haben überlegt, wie wir unser Finanzloch in Höhe von € 10.000,- schließen können. Natürlich ist das viel Geld und wir brauchen es auch, aber diese Frage ist irgendwie so unwichtig geworden. Obwohl ist stolz auf meine Leute bin, denn ich denke, wir sind von der richtigen Seite an die Frage herangegangen und haben es nicht zu gelassen, dass das Geld uns regiert, sondern Jesus weiter den Ton angibt. Wir werden ihm vertrauen, das ist das neue alte Fazit, das wir gestern gezogen haben.

Manchmal frage ich mich aber, ob es nicht doch sinnvoll wäre, wenn wir einfach unsere Kirchen verkaufen würden, um mehr Zeit für unsere Aufgabe hier zu haben. Wären wir nicht viel freier? Hätten wir nicht mehr Geld zur Verfügung? Natürlich ist es schön, dass wir so ein tolles Haus haben, aber es ist eben auch eine Belastung.

Wer übrigens den Brief aus der Gemeinde in Smyrna haben will, kann mir gern ein Mail schicken.

Mittwoch, 2. Mai 2007

Eis, Sonne und Stockbrot


Das Wetter ist der Hammer. Sonne satt und dazu dann auch noch frei - ein idealer Zeitpunkt, um mal als Familie unsere erste Farradtour zu machen. Mit Elias war das bisher so nicht möglich. Jetzt ist er sattelfest. Der erste große Ritt seines Lebens ging dann zusammen mit uns zu Zielbergs. Wunderbare Menschen mit einem unglaublich netten Haus. Nach dem Grillen ging es mit dem Fahrrad zur Eisdiele (und zurück - gut 4 km). Haben die Kinder großartig gemacht. Zum Abschluss gab es Stockbrot am offenen Feuer. Mmmmmh.

Nun hat der Alltag mich zurückbekommen. ich werde heute mal an meiner religionssoziologischen Analyse weiterstricken und heute Abend werde ich dann im Mitgliederforum sein. In der Gemeinde stehen wir gerade vor ein paar großen Herausforderungen. Eine davon ist die Tatsache, dass uns Geld fehlt. Die Ausgaben liegen über den Einnahmen. Auch wenn die Situation ernst ist, will ich mir hier doch meinen kindlichen Glauben bewahren: Wenn das, was wir hier tun, in Gottes Sinne ist und wir nirgendwo Geld verschwenden, dann sollten wir uns auch keine Sorgen machen. Die Kernfrage ist also nicht: Woher bekommen wir mehr Geld?, sondern: Sind wir auf dem richtigen Weg?

Noemi, Tabita und Elias

Noemi, Tabita und Elias
Drei Gründe, um Gott dankbar zu sein.